Bei uns steht kein eigenes Auto mehr vor der Tür. Vier Kinder, und trotzdem kein Familienkombi in der Einfahrt – das klingt für viele erstmal nach Verzicht oder nach Öko-Prinzip. Ist es aber nicht. Es ist eine ganz nüchterne Rechnung, die überraschend gut aufgeht und uns nebenbei eine Menge Nerven spart. Und weil die Frage „Brauchen wir als Familie wirklich ein eigenes Auto?“ so viele umtreibt, schauen wir uns die Alternativen zum Auto für Familien mal in Ruhe an.
Kurz gesagt: Ein eigenes Auto kostet eine Familie schnell 300 bis 500 Euro im Monat – auch wenn es die meiste Zeit nur herumsteht. Carsharing, Deutschlandticket und Lastenrad decken zusammen erstaunlich viel ab, sind oft günstiger und sparen Parkplatz- und Werkstattstress. Ob sich der Umstieg lohnt, hängt vor allem davon ab, wo ihr wohnt.
Lohnt sich ein eigenes Auto für Familien überhaupt noch?
Bevor wir über Alternativen reden, lohnt der ehrliche Blick auf die Frage, die man sich selten stellt: Was kostet das eigene Auto eigentlich wirklich – nicht nur an der Tankstelle? Denn der Sprit ist nur die Spitze. Dazu kommen Versicherung, Steuer, TÜV, Werkstatt, Reifen und der stille Posten, den fast alle vergessen: der Wertverlust.
Rechnet man das alles zusammen, landen viele Familien bei 300 bis 500 Euro im Monat – für ein Auto, das im Schnitt 23 Stunden am Tag nur parkt. Das ist keine Kampfansage ans Auto. Es ist einfach eine Zahl, die man kennen sollte, bevor man sie jedes Jahr aufs Neue bezahlt.
Carsharing statt eigenem Auto – klappt das mit Kindern?
Jetzt kommt der Einwand, den ich am häufigsten höre: Carsharing, mit Kindern und Kindersitzen? Das kann doch nur Stress sein. Ehrlich gesagt dachte ich das auch – bis wir es einfach ausprobiert haben. Man bucht sich ein Auto für die Zeit, in der man es wirklich braucht, und zahlt eben nur dann. Der Wocheneinkauf, der Ausflug ins Grüne, der Möbeltransport: alles machbar, oft mit größeren Autos als man selbst hätte.
Die Kindersitze nimmt man mit oder lässt sie beim Anbieter reservieren. Klar, ein bisschen Planung gehört dazu – spontan um Mitternacht losdüsen ist nicht. Aber für den ganz normalen Familienalltag reicht Carsharing verblüffend weit, und am Monatsende steht keine feste Rate, sondern nur das, was ihr tatsächlich gefahren seid.
Deutschlandticket und Bahn: entspannter reisen mit Kindern?
Für alles, was regelmäßig ansteht, kommt der zweite Baustein ins Spiel – und der ist fast schon ein Selbstläufer. Mit dem Deutschlandticket fährst du für einen festen Monatsbetrag durch ganz Deutschland mit Bus und Bahn, und Kinder unter sechs fahren ohnehin kostenlos mit. Kein Stau, kein Parkplatzsuchen, keine „Sind wir bald da?“-Verzweiflung am Steuer – stattdessen kannst du dich unterwegs tatsächlich um die Kinder kümmern statt um die Straße.
Gerade für Pendelwege, Ausflüge und Besuche bei der Verwandtschaft ersetzt das Ticket viele Autofahrten. Und für die Kinder ist Bahnfahren oft das eigentliche Abenteuer.
Das Lastenrad – der heimliche Familienheld?
Bleibt die Kurzstrecke im Alltag, und hier kommt der Baustein, der die meisten unterschätzen: das Lastenrad. Kinder zur Kita, der Wocheneinkauf, der Weg zum Sportverein – erstaunlich viel davon lässt sich mit einem Lastenrad erledigen, oft schneller als mit dem Auto, weil Parkplatzsuche und Stau wegfallen.
Mit elektrischer Unterstützung sind auch Steigungen und größere Kinder kein Problem, und viele Städte fördern die Anschaffung mit ordentlichen Zuschüssen. Für uns hat sich das Lastenrad vom „netten Extra“ zum meistgenutzten Fahrzeug entwickelt.
Wann das eigene Auto trotzdem sinnvoll bleibt
Damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Das eigene Auto abzuschaffen ist nicht für jede Familie die richtige Entscheidung, und das ist völlig okay. Wer auf dem Land wohnt, wo der nächste Bus dreimal am Tag fährt, wer im Schichtdienst arbeitet oder pflegebedürftige Angehörige fährt, für den ist das Auto oft schlicht alternativlos.
Der Punkt ist nicht, das Auto zu verteufeln. Der Punkt ist, ehrlich hinzuschauen, was ihr wirklich braucht – und zu merken, dass es dazwischen ganz viele Möglichkeiten gibt. Vielleicht braucht ihr kein zweites Auto. Vielleicht reicht Carsharing plus Lastenrad. Vielleicht ist es aber auch genau richtig, wie es ist. Ihr kennt euren Alltag am besten.
Und jetzt: Handy weg. Das Leben ist zu kurz, um es nur im Internet zu verbringen.